So will ich nicht mehr weitermachen! Darin bist du dir klar. Vielleicht sogar schon seit längerer Zeit, und trotzdem ist dir die Veränderung noch nicht gelungen? Dann könnte es sein, dass du noch zu stark in deinen alten Rollen feststeckst und dadurch keinen wirklichen Zugang zu deinem echten Ich gefunden hast.
Es ist aber auch gar nicht so einfach, alte Rollen loszuwerden, denn sie sind ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft. Sie geben uns Orientierung, Verhaltensweisungen, sie übertragen uns Rechte und Pflichten. Und vor allem eine grosse Portion an Erwartungen.
Und falls jemand auf die Idee kommt, einfach seine Rollen abzulegen und sich damit aus den Gemeinschaftsregeln zu verabschieden, bekommt er schnurstracks eine neue Rolle, nämlich die des Aussteigers, oder in meinem Fall, die der Auswanderin.
In diesem Artikel schreibe ich darüber, wie es für mich war, frei von Rollen zu sein, ein Niemand zu sein. Warum wir Rollen spielen, wie Konflikte entstehen, und warum es sich lohnt, dich neu zu erfinden und dich bewusst von den Rollen zu lösen, die nicht mehr zu dir gehören.
Welche Rollen hast du denn eigentlich?
Gleichzeitig mit deiner Geburt erhältst du deine ersten Rollen. Du wirst zur Tochter oder zum Sohn, zur Erstgeborenen, der Mittleren oder dem Nesthäckchen. Du bist Schwester, Cousine, Nichte oder Einzelkind. Später wirst du vielleicht selber Mutter oder Grossmutter.
Die familiären Rollen wirst du dein Leben lang nicht mehr los. Du wirst sie tragen bis zu deinem letzten Atemzug.
Rollen, die wir je nach Aufgabe oder Funktion einnehmen – oder besser gesagt spielen, sind zum Beispiel auf der Arbeit: Wenn du Angestellte bist, bist du nicht Chefin. Du kennst die Spielregeln. Du darfst keine Entscheidungen treffen, du bekommst Aufgaben delegiert, anstatt sie zu delegieren. Du erhältst Feedback auf deine Arbeit, gibst aber deiner Chefin kein Feedback. Und bevor du in den Urlaub fährst, musst du das Einverständnis einholen.
Beispiele von sozialen Rollen sind je nach Beziehung: Kollegin, Freundin, Partnerin, Ehefrau, Geliebte, Geschiedene oder Witwe.
Dann gibt es noch die persönlichen Rollen, die wir bewusst oder unbewusst einnehmen, weil wir gewisse Charaktereigenschaften, Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensweisen haben. So bist du vielleicht die Angepasste, die Lustige, die Introvertierte, die Streberin, die Aussenseiterin, die Ernste, die Hilfsbereite, die graue Maus oder die Partyqueen.
Übung 1: Bewusstsein schaffen
Geh die Sache direkt an und hole dir ein Blatt Papier. Du kannst natürlich auch deine Notizenapp auf dem Handy oder Tablet verwenden.
- Nimm dir 10 Minuten für eine erste Runde.
- Notiere alle deine Rollen, egal ob privat oder beruflich.
- Und ganz wichtig, notiere alle dir zugeschriebenen Rollen wie zB. die Ehrgeizige, die Pflichtbewusste, die Soziale, die Hilfsbereite usw.
- Behalte die Liste die nächsten Tage in der Nähe. Vermutlich werden dir noch weitere Rollen einfallen, die du ergänzen kannst.
- Zum Schluss zählst du alle Rollen. Wieviele hast du? Mehr als 50?
Checkliste Rollen: interaktiv und als PDF
Hier kannst du die Checkliste direkt an deinem Computer ausfüllen und ergänzen. Deine angegebenen Rollen werden direkt gezählt und du kannst die Liste am Schluss als PDF herunterladen und ausdrucken:
Hier kannst du dir die Checkliste direkt downloaden und ausdrucken:
Erstaunlich, oder? Mich hat diese Liste wirklich überrascht.
Der erste Schritt etwas zu verändern, ist Bewusstsein zu schaffen. Was nicht bewusst ist, kann nicht verändert werden. Schritt 1 hast du geschafft, in der Übung 2 weiter unten geht es weiter.
Sind diese vielen und verschiedenen Rollen ein Problem?
Nicht unmittelbar. Rollen geben Orientierung, Sicherheit, Zugehörigkeit, Privilegien, Pflichten und Verantwortung. Sie sind eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft – ohne sie wüssten wir oft gar nicht, wie wir uns in einer Situation verhalten sollen.
Die Frage ist allerdings, wie wir diese Rolle gestalten und ob wir uns der zugeschriebenen Rolle überhaupt bewusst sind.
Jede Rolle ist mit Erwartungen verknüpft. Erwartungen, die wir selber an diese Rolle haben, und solche, die andere – die Gesellschaft, die Familie, der Arbeitgeber – mit der Rolle verbinden.
Ein eigenes Beispiel: Ich habe viele Jahre als Coach und Ausbilderin von Führungskräften bei einer grossen Schweizer Unternehmung gearbeitet.
Mein damaliger Chef forderte mich mehrmals auf, an Personalausflügen und Weihnachtsessen teilzunehmen oder mit anderen in der Cafeteria zu essen. Seine Begründung: „Du bist Vorbild, die Leute schauen auf dich, du musst dich zeigen“.
Als introvertierte Person machte ich einen grossen Bogen um solche Firmenevents, und meine Antwort war stets: „Ich will mit meiner Leistung überzeugen und nicht mit meiner Sichtbarkeit.“ Und doch kam ich nicht darum herum, sozialer zu sein, als mir eigentlich lieb war. Ganz einfach, weil das Teil meiner Rolle war und in einem gewissen Masse von mir erwartet wurde.
Kennst du die ungeschriebenen Spielregeln deiner Rollen?
Jede Rolle bringt ihre eigenen Spielregeln mit – oft unausgesprochen, aber trotzdem verpflichtend.
Wenn ich in einen Bus oder ein Taxi einsteige, bin ich Passagierin und erkläre dem Fahrer nicht, wie er zu fahren hat. Auch wenn ich mit der Fahrweise nicht einverstanden bin, lehne ich mich zurück und lasse mich von A nach B chauffieren.
Wenn ich im Restaurant esse, dann räume ich danach nicht den Tisch ab und bringe das Geschirr raus in die Küche. Im Gegenteil, ich freue mich darauf, die Rolle des Gastes einzunehmen.
Wenn ich allerdings bei meiner Mutter zu Besuch bin, bin ich nicht Gast, sondern Tochter. Und als Tochter hilft man beim Essen machen, dem Aufräumen oder nimmt sich selber etwas aus dem Kühlschrank. Das tut mein Mann aber nicht, denn er ist Schwiegersohn und darum Gast. Nun kann mein Mann natürlich auch den Tisch abräumen und damit signalisieren, dass er entweder die Rolle des Gastes anders definiert, oder dass er sich nicht als Gast sondern als Familienmitglied sieht. Aber er würde sich nicht selbst etwas aus dem Kühlschrank nehmen, sondern zuerst fragen.

Was passiert, wenn sich Rollen ändern und Rollenkonflikte entstehen?
Welche Regeln gelten, wenn man gleichzeitig verschiedene Rollen innehat und diese sich gegenseitig in die Quere kommen?
Wenn ich zum Beispiel Mitarbeiterin bin und mit meinen Kolleginnen freundschaftliche Beziehungen pflege, und danach zur Chefin befördert werde und nun ihre Vorgesetzte bin, dann können eine Reihe von Konflikten auftreten:
- Welche Informationen und Internas man austauscht – oder eben nicht.
- Wie viel Privates man erzählt – oder eben nicht mehr.
- Wer welche Aufgaben und Privilegien hat.
- Wenn Entscheidungen (betreffend Urlaub) getroffen werden.
- Wenn die Leistung beurteilt und Feedback gegeben wird.
Bei Veränderungen der Rollen hilft es zuerst, die neuen Rollen transparent zu machen und die Konsequenzen zu besprechen – also die neuen Spielregeln festzulegen. Und das am Besten sofort und nicht erst, wenn der Konflikt schon entstanden ist.
Wenn ich mit der neuen Rollenverteilung nicht klarkomme, dann sollte ich lieber aus dem Spiel aussteigen und mir ein neues Spielfeld suchen, wo ich mich in meiner Rolle wieder wohlfühle und die anderen in ihren Rollen akzeptieren kann.
Das eigentliche Problem: die Identifikation mit der Rolle
Das grösste Problem sind aber nicht die Rollen und dass wir Rollen spielen. Das Problem entsteht, wenn ich mich zu sehr mit einer Rolle identifiziere.
Das erlebe ich bei Klientinnen in Führungspositionen genauso wie bei langjährigen Mitarbeitenden. Man identifiziert sich so stark mit seiner Rolle im Unternehmen, der Führungskraft, dem Projektmanager, dem Teamplayer, dass ausserhalb davon kaum noch Platz für die eigene Person bleibt.
Und dann ist die Rolle von einem Tag auf den anderen weg. Die Frage bleibt: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr die bin, die immer zur Stelle war?
Ob durch Kündigung oder Pensionierung — der Rollenverlust fühlt sich oft gleich an.
Auch dann, wenn ich Mutter bin und vom Muttersein nicht ablassen kann. Wenn mein Kind längst erwachsen und selber Mutter oder Vater ist, dann ist der Konflikt vorprogrammiert, obwohl „ich es ja nur gut meine“! Es bedeutet zum einen, dass ich den anderen in seiner Rolle als Kind festhalte und ihm sein Erwachsenwerden und ein eigenständiges Leben verwehre.
Und zum Zweiten bedeutet es, dass ich mich selber in einer Rolle festhalte, weiter vermeintliche Erwartungen erfülle und mir verhindere, andere Facetten meiner Persönlichkeit zu leben.
Wenn ich mich so sehr mit einer Rolle identifiziere, gebe ich mein eigenes Selbst auf. Ich entferne mich maximal weit von meinem eigenen Kern, von dem, wer ich eigentlich wirklich bin – so weit, dass ich mich selber nicht mehr wiedererkenne.
Auf die Frage „Wer bist du, was machst du gerne, was möchtest du mit deinem Leben noch anstellen?“ kommt dann nur die Antwort, dass man Mutter und Grossmutter ist und wie viele Enkelkinder man hat und was diese alles erleben. Da bleibt kein Platz mehr für eigene Wünsche, eigene Ideen, eigene Persönlichkeit.
Wenn ich ganz in einer Rolle aufgehe und mich damit identifiziere, bin ich auch voller Erwartungen, wie andere mich in dieser Rolle behandeln sollen. Der grosse Konflikt entsteht dann, wenn mein Kind diese Mutterrolle nicht mehr so stark braucht, weil es selber erwachsen geworden ist – mich also, ausgenommen vom biologischen Teil, aus der Mutterrolle freigegeben hat – und umgekehrt Erwartungen an mich hat, sie oder ihn jetzt als Erwachsenen zu sehen.
Klassische Beispiele: wenn die Mutter den erwachsenen Sohn fragt, ob er ein Taschentuch eingesteckt hat, oder die Mutter die Tochter daran erinnert, dass es draussen kalt sei und sie eine Jacke anziehen sollte.
Ich würde die Prognose wagen, dass 80 Prozent aller Familienkonflikte eigentlich Rollenkonflikte sind. Entstanden aus einer zu starken Identifikation mit den Rollen und den verknüpften Erwartungen.
Übung 2: Reflexionsfragen für dich
Schau dir deine Liste aus Übung 1 an und knöpfe dir die Rollen vor, die du verändern möchtest. Frage dich:
- Welche Rollen möchtest du abgeben? Welche neu gestalten?
- In welcher Rolle gehst du zu sehr auf?
- Wenn du dich mit einer Rolle zu stark identifizierst, welche negativen Situationen entstehen für dich und die anderen?
- Wie sehen dich andere? Welche Erwartungen haben sie an dich in dieser Rolle?
- Welche deiner selbst zugeschriebenen Rollen möchtest du verändern?Möchtest du zum Beispiel nicht mehr die Angepasste und Ruhige sein? Sondern die, die ihre Meinung sagt, die Grenzen setzt, die sich einen Camper kauft und auf Reisen geht?

Nicht mehr rollenkonform leben und wie ich zur „Aussteigerin“ wurde
Ich habe mich schon immer schwer damit getan, Dinge zu tun, einfach weil man es so macht, obwohl ich eine andere Haltung dazu hatte. Auf keinen Fall wollte ich mich in konventionelle Schubladen stecken lassen, einfach weil das einfacher war.
Schon mit 10 Jahren habe ich meinem Klassenlehrer beim Elterngespräch gesagt, dass er uns Schüler nicht mit Nummern bezeichnen solle, sondern dass wir alle einen Namen hätten. Auch später als Mitarbeiterin habe ich nicht immer kleinbeigegeben, sondern für meine Sachen gekämpft, auch mit Ranghöheren. Es ging mir immer um die Sache und nicht darum, wer welche Rolle hatte.
Ein anderes Beispiel: der bewusste Entscheid, trotz Heirat, also trotz der Rolle als Ehefrau, nicht die Rolle der Mutter zu wählen. Nicht rollenkonform zu handeln, sondern meine Freude am Beruf und das Interesse an verschiedensten Aus- und Weiterbildungen nicht aufgeben zu wollen.

Raus aus Rollen bedeutet raus aus der Komfortzone
Meine eigene Rollendefinition als ruhige und introvertierte Person, der es schwerfällt, vor Leuten und Gruppen zu sprechen, habe ich 2001 bewusst über den Haufen geworfen. Ich habe mich aus meiner Komfortzone gewagt und die Ausbildung zur Erwachsenenbildnerin gemacht.
Das war ein ganz bewusster Entscheid, weil ich mich erstens nicht selber einschränken wollte und zweitens weil ich Lust auf die Aufgabe hatte. So habe ich mich der Herausforderung gestellt, anfangs mit viel Bauchschmerzen und Lampenfieber, aber ich habe es geschafft und bin heute sehr froh und dankbar dafür.
Da wir Rollen meist schon mehrere Jahre inne haben, sind sie zu Gewohnheiten geworden. Wir sind es gewohnt, uns immer gleich zu verhalten und gleich zu reagieren. Etwa auf eine Bitte um Hilfe niemals „Nein“ zu sagen, sich immer den Restaurantwünschen der anderen anzuschliessen, oder immer gewisse Aufgaben zu übernehmen.
Gewohnheiten zu ändern, bedeutet ein Verlassen deiner Komfortzone. Etwas anderes, Neues zu tun oder zu sagen, das vielleicht auf Widerstand stossen kann, braucht Mut.
Übung 3: Die positiven Effekte
Mache dir klar, warum du diese Gewohnheit, dieses Verhalten, und damit auch diese Rolle, verändern oder ganz ablegen willst.
Sei dir bewusst, dass dies ein Schritt zu dir ist. Ein Schritt zu mehr Authentizität und ein Schritt zu mehr echtem Leben. Deinem Leben.
Wenn du weisst, warum und wozu du etwas tust, wird es dir leichter fallen. Was wird sich dadurch für dich zum Positiven verändern? Und welche positiven Effekte wird das für die anderen haben?
Auch das würde ich mir unbedingt aufschreiben. Vielleicht auf einem farbigen PostIt und es gut sichtbar irgendwo hinkleben.
Wenn du dir erlaubst „Nein“ zu sagen zu Aufgaben, zum Essen beim Inder, zum Familienbesuch, dann tust du das ja nicht, weil du den anderen nicht mehr magst, oder weil du jetzt zur Egoistin mutierst. Du sagst „Nein“ zu anderen, damit du mehr echt und mehr aufrichtig bist. Und das ist ja nur positiv, auch für andere. Denn wer will schon mit Leuten zusammen sein, die einem etwas vor machen und nicht ehrlich sind aus falscher Freundlichkeit?
Ich war niemand – und das war das Beste, was mir je passiert ist
Alle Rollen abgelegt und mit Anlauf aus meiner Komfortzone gesprungen bin ich schliesslich, als ich 2016 alleine in den Norden Dänemarks gezogen bin.
Ich kannte nichts und niemanden. Und niemand kannte mich.
Nach meinem Umzug habe ich natürlich viele Menschen kennengelernt, und alle waren neugierig auf meine Geschichte. Während einer erneuten Vorstellung kam mir plötzlich ein seltsamer Gedanke: „Ich hätte jede erdenkliche Geschichte über mich erzählen können!“ Und niemand hätte meine Erzählung bestätigen oder widerlegen können. Niemand kannte mich. Ich hätte irgendetwas erfinden können.
In dem Moment war ich frei von meiner Geschichte.
Ich war nicht mehr Ausbilderin und Coach, nicht Kinesiologin, nicht Exfrau, nicht Einzelkind, nicht Angestellte, nicht Freundin, nicht die Ruhige, die Unnahbare, ich war nicht einmal mehr die Schweizerin.
Ich war Niemand. Und konnte alles sein.
Und das nicht nur für einige Sekunden, sondern für mehrere Wochen, sogar Monate. Dieses Gefühl habe ich nie mehr vergessen. Ich konnte mich total neu erfinden. Wie ein leeres Blatt Papier. Wie ein neues Notizheft, das noch unbeschrieben ist. Wie ein neu gepflügtes Feld, wo der Bauer noch nicht entschieden hat, was er anbauen will.
Ich habe es unendlich genossen, viele meiner Rollen abzulegen und mich neu zu entdecken. Auch wenn andere mit gerunzelter Stirn fragten:
- Ganz alleine?
- Für wie lange?
- Hast du schon eine Arbeit?
- Was machst du dann dort?
- Was ist mit deiner Pension?
- Und wenn es nicht klappt?
- Und was sagt deine Familie?
- Werden dir deine Freunde nicht fehlen?
Ich wusste es nicht. Ich bin einfach gegangen und habe geschaut. Ich habe einen Schritt gemacht und dann den nächsten. Mein Herz sagte, es fühlt sich richtig an. Darum habe ich es getan, bevor ich es eines Tages bereuen würde, es nicht getan zu haben. Was viel schlimmer ist, als es gar nicht erst versucht zu haben.
Und das ist auch heute noch meine Haltung: Willst du etwas verändern? Hast du einen Traum, der dich nicht loslässt? Tu es. Egal was alle anderen sagen. Und schau, was dann passiert. Niemand kennt das Szenario, auch deine ganze Planung nicht. Denn es kommt anders als geplant, so viel ist sicher.
Mach dich frei von den Erwartungen der anderen, genauso wie von deinen eigenen Erwartungen. Erwarte nichts und vertraue auf das Beste.
Ich habe einmal den genialen Satz gehört: „Es ist egal, was die anderen denken, denn sie bezahlen nicht meine Rechnungen!„
Und eine indianische Weisheit sagt: „Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist“.

Weshalb du dich selber nicht kennst und nicht weisst, was du eigentlich willst.
Ich sehe dieses Muster immer wieder bei meinen Klientinnen. Da sind die Frauen in Führungsrollen, die ganz in der Aufgabe aufgehen, zu viel arbeiten und fast kein Privatleben mehr haben. Und da sind die Mütter nach der Mutterschaftspause, die wieder arbeiten wollen, sich aber nichts mehr zutrauen, weil sie sich in den letzten Jahren ja nur über die Mutterrolle definiert haben.
Beide sind im Grunde unglücklich, weil sie sich für andere – Mitarbeitende oder Kinder – aufopfern und sich dabei selber verloren haben. Jetzt wollen sie etwas ändern, wissen aber gar nicht, was sie sonst noch können und welche Träume sie noch haben. Sie wissen eigentlich gar nicht, wer sie sind und was sie wollen.
Manchmal hat eine Kündigung, eine Scheidung oder eine Krankheit sie aus ihrer Rolle katapultiert. Und jetzt haben sie die Chance, sich neu zu definieren, sich neu zu erfinden – aber sie wissen nicht wie. Und darum bleiben sie frustriert stecken. Sie halten fest an vertrauten Rollen, denn das gibt Sicherheit und Orientierung. Aber glücklich sind sie nicht. Und eines Tages fragen sie sich, war das alles?
Was hilft, wenn du merkst: diese Rolle passt nicht mehr
Das Einzige, das du für eine Veränderung oder einen Neustart brauchst, ist nicht, was du bist. Ist nicht, wie viel Geld du auf dem Konto hast, und ist schon gar kein Plan für die nächsten 6 Monate.
Entscheidend ist einzig, was du liebst und kannst! Diese Ressourcen und Kompetenzen solltest du haben. Bist du:
- Lernwillig
- Flexibel
- Neugierig
- Kreativ
- Vertrauensvoll
- Kontaktfreudig
- Zuversichtlich
- Motiviert
- Lösungsorientiert
- Und willst du es wirklich so sehr, dass du bereit bist, auf vieles zu verzichten?
Wenn du merkst, dass du in einer Rolle feststeckst, aber nicht weisst, wer du ohne diese Rolle bist:
Ich würde dir zu einer bewussten Auszeit raten. Du musst raus aus deinem System, damit du Abstand hast und dich von aussen sehen kannst. Reise an einen fremden Ort, wo du neue Inspirationen findest und am Besten auch noch draussen in der Natur bist.
Das muss kein 6 monatiges Sabbatical in Australien sein. Manchmal reicht schon ein verlängertes Wochenende, um den Kopf wieder frei zu kriegen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Wie zum Beispiel bei meinem Wanderretreat oder einem 1:1-Retreat. Hier kannst du dich mit der Natur verbinden, Energie tanken, deine Situation reflektieren und wieder lernen, auf deine eigenen Bedürfnisse zu hören.
Das ist ein bisschen wie mit dem Essen: Wenn du immer nur zu den festgelegten Zeiten isst – Frühstück, Mittagessen, Abendessen –, hast du nie wirklich Hunger. Das eigene Hungerbedürfnis entsteht so gar nicht erst. Erst wenn wir eine Mahlzeit auslassen, stellt sich früher oder später das Hungergefühl als echtes Bedürfnis wieder ein.
In der Pause zeigt sich, worauf du wirklich Lust hast.
Im Retreat machen wir auch kreative Übungen, Yoga und Meditation, wo du wieder lernst, deinen Körper zu spüren – raus aus dem Kopf, rein ins Fühlen. Der Fokus liegt nur auf dir selbst, du übernimmst nur Verantwortung für dich. Ganz leise beginnt dann die innere Stimme wieder mit dir zu sprechen und du kannst dein Leben nach deinen Bedürfnissen, Wünschen und Talenten neu gestalten. Begleitendes Coaching wird dir helfen, deine neue Klarheit in konkrete Schritte umzusetzen, damit du nach deiner Heimkehr echt und ehrlich für dich losgehen kannst.
Und wenn ich echt und ehrlich mein Leben nach meinem innersten Kern lebe, dann bin ich authentisch. Dann bin ich frei von Erwartungen – meinen an mich, und meinen an andere, und denen anderer an mich. Dann setze ich mich und alle anderen frei. Dann dürfen wir uns alle aus unserem Inneren heraus entfalten.
Das wünsche ich dir und uns.

Fazit: Alte Rollen ablegen und sich neu erfinden
Was du genau tun kannst, 14 Tipps:
Hier nochmals für dich zusammengefasst:
- Bewusstsein schaffen. Schreib dir alle deine Rollen auf, privat und beruflich – nimm dir dafür bewusst Zeit (z. B. 10 Minuten) und ergänze die Liste über die nächsten Tage.
- Reflexion. Frag dich bei jeder Rolle: Passt sie noch zu mir, oder identifiziere ich mich zu stark mit ihr?
- Klarheit schaffen. Ändert sich eine Rolle, kläre die Spielregeln sofort, bevor der Konflikt entsteht.
- Neues Spielfeld suchen. Passt die Rolle nicht mehr, such dir ein neues Spielfeld.
- Mut. Sei mutig. Wage dich bewusst aus deiner Komfortzone, auch mit Bauchschmerzen.
- Gewohnheiten erkennen. Erkenne, welche Rollen längst zu blossen Gewohnheiten geworden sind – automatisches Verhalten, das du nie hinterfragst.
- Die positiven Effekte. Willst du eine Gewohnheit oder Rolle ändern: schreib dir auf, warum – und welche positiven Effekte das für dich und andere hat.
- Nein sagen üben. Übe bewusst „Nein“ zu sagen, wo du bisher automatisch „Ja“ gesagt hast.
- Frei von Erwartungen. Mach dich frei von Erwartungen. Denn die anderen gehen nicht in deinen Mokassins.
- Ressourcen-Check. Bist du lernwillig, flexibel, neugierig, zuversichtlich – und bereit, dafür auf einiges zu verzichten?
- Raus-Zeit. Nimm dir bewusst eine Auszeit an einem fremden Ort, am besten in der Natur – muss kein halbes Jahr sein, manchmal reicht ein verlängertes Wochenende.
- Körperarbeit. Geh raus aus dem Kopf, rein ins Fühlen – mit Yoga, Meditation oder kreativen Übungen.
- Eigenverantwortung. Du musst nicht die ganze Welt retten. Deine Verantwortung gehört dir, du bist deine beste Anwältin.
- Begleitung holen. Hol dir bei Bedarf Begleitung/Coaching, um deine neue Klarheit in konkrete Schritte umzusetzen.
Rollen geben Orientierung – aber sie sind nicht dein Kern. Du bist mehr als Mutter, Mitarbeiterin, Tochter oder die Angepasste. Wenn eine Rolle nicht mehr zu dir passt, darfst du sie ablegen – auch wenn das bedeutet, für eine Weile niemand zu sein. Genau darin liegt die Freiheit, dich neu zu erfinden.
Welche Rolle möchtest du als Erstes verändern oder loslassen?
Wenn du spürst, dass es Zeit ist, dich aus einer Rolle zu lösen, die nicht mehr zu dir gehört, oder du dich neu entdecken möchtest, dann schau dir meine Angebote an, oder vereinbare ein kostenfreies Gespräch mit mir.
Das Leben hat viel mehr zu bieten, als du dir erträumen kannst :-).

Hej, ich bin Sandra. 2016 habe ich mir einen grossen Traum erfüllt und bin alleine nach Dänemark ausgewandert. Als Karriere-, Führungs- und Persönlichkeitscoach, Ausbilderin und Kinesiologin unterstütze ich Menschen in der Mitte des Lebens bei beruflichen und privaten Veränderungen und Neustarts. Aus der Krise in die Kraft.

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Inspirationen zu den Themen:
- Job & Karriere
- Mindset, mentale Fitness
- Veränderung und Neustart in der Lebensmitte
- Persönlichkeit enwickeln
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