Wie man mit Enttäuschungen fertig wird und seine innere Balance wieder findet

Enttäuschungen sind unvermeidlich. Aber warum erholen sich manche Menschen schnell davon – und andere tragen das Gewicht noch wochenlang mit sich? In diesem Artikel schauen wir genauer hin: was wirklich hinter einer Enttäuschung steckt, welche Gefühle darunterliegen – Wut, Scham, Verzweiflung – und wie du mit diesen Gefühlen fertig wirst. Du bekommst konkrete Schritte und eine kurze Meditation, die dir hilft, Scham aufzulösen und wieder in deine innere Balance zu finden.


Du kriegst eine Absage. Eine Absage auf eine Bewerbung für diesen Job, den du so gerne angenommen hättest. Von einer Freundin zu eurem geplanten Wellness-Weekend. Eine Absage von deinem Partner, der eure Beziehung auflösen will.

Wenn du enttäuscht bist, dann ist da meist noch mehr dahinter. Und genau das macht, dass du dich nicht so leicht (auch von einer kleinen) Enttäuschung erholst.

Dein Kopf sagt dir vielleicht: „das ist nicht so schlimm“, „das kann ich schon verkraften“, „ich finde einfach etwas anderes“.

Trotzdem gelingt es dir nicht, diese negativen Gefühle, oft körperlich spürbar, wieder loszuwerden.

Was steckt noch dahinter? Schau genauer hin!

Was hinter der Enttäuschung steckt

Besser gesagt: was unter der Enttäuschung liegt. Weggepackt oder tief vergraben, damit du diese Gefühle nicht fühlen musst.

Ärger und Wut. Aber es ist nicht nur Wut. Wut ist oft das oberflächliche Gefühl.

Schau mal, was unter der Wut liegt.

Unter der Wut liegt Angst, vielleicht sogar Existenzangst. Verzweiflung Hoffnungslosigkeit.

Und ganz oft liegt darunter Schuld und Scham!

  • Scham, versagt zu haben.
  • Scham, nichts wert zu sein.
  • Scham, ausgestossen zu sein.
  • Scham, nicht schön genug, nicht interessant genug, nicht klug genug zu sein.

Auf der Bewusstseins-Skala von Dr. David Hawkins liegen Schuld und Scham bei 20-30. Die Stufen unter 200 rauben dem Menschen Energie und werden als destruktiv oder lebenseinschränkend bewertet. Liebe liegt bei 500, Frieden bei 600 und Erleuchtung bei 1000.

Diese schweren Gefühle kannst du nicht einfach weg-denken. Sie „sitzen“ in deinem Körper. Du merkst sie in deinem verkrampften Magen, in der zugeschnürten Kehle, in dem Druck auf der Brust, in den tränenden Augen, in der brennenden Hitze im Kopf.

Mit der Zeit werden diese Gefühle zwar leiser, aber nicht weil sie verschwinden, sondern weil dein Körper sie beginnt wegzupacken. Du musst ja im Alltag funktionieren, da nutzt dir die lähmende Schuld, Scham, Verzweiflung, wenig. Diese Gefühle werden tief in deinen Zellen gespeichert. Sie werden abgespalten.

Du kannst dir das so vorstellen, wie wenn du Schachteln mit ungebrauchten Sachen in den Keller packst. In die hinterste Ecke. Da, wo du die nächsten Jahre nicht hin kommst.

Hinter Enttäuschungen liegen andere Gefühle
Quelle: Silke Schäfer, Skala des Bewusstseins

Was Enttäuschung wirklich bedeutet

Ent – täuschung bedeutet das Ende der Täuschung!

Enttäuscht werden kannst du nur, wenn du etwas erwartet hast.

Und was du erwartet, oder erhofft, oder erträumt hast, hast du nicht, oder nur in Teilen erhalten, oder ist nicht/nur teilweise eingetroffen.

Die Ent-täuschung entfernt unrealistische Erwartungen, falsche Hoffnungen und Illusionen.

Es ist deine Chance, den Durchblick zu bekommen. Wieder klar zu sehen.

Darf man denn jetzt gar nichts mehr vom Leben, von Menschen oder von Situationen erwarten?

Doch kannst du schon, aber mache gleichzeitig den Realitätscheck:

  • Der Mann, in den du dich verliebt hast, und immer noch in einer Beziehung ist. Auch wenn er dir schwört, dass du seine grosse Liebe bist. Wird er sie wirklich verlassen?
  • Der Job mit den spannenden Aufgaben, den guten Arbeitsbedingungen. Kannst du mit den anderen 100 Bewerbern konkurrieren wenn du 60+ bist?
  • Die Auswanderung in dein Lieblingsland, wo du bisher immer Urlaub gemacht hast. Kannst du dort wirklich Fuss fassen, einen neuen Job finden und ein neues Netzwerk aufbauen?

Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, und ja man darf auch gross träumen. Meiner ist zum Glück in Erfüllung gegangen :-). Aber das war kein Zufall. Das waren ganz viele Schritte raus aus meiner Komfortzone.

Was die Buddhisten sagen: Die buddhistische Lehre besagt, dass unser Leiden (Dukkha) direkt aus unserem Anhaften an Dinge, die wir begehren, und dem Vermeiden (Ablehnen) von Dingen, die wir fürchten, entsteht. Die Ursache für dieses Verhalten ist eine grundlegende Täuschung über die Natur der Realität.

Wenn du also Erwartungen hast, dann wirst du früher oder später leiden.

Wie man mit Enttäuschung fertig wird und Wut und Scham auflöst

Du brauchst Mut und Aufmerksamkeit

Du musst dich ihr stellen. Du musst sie zulassen. Du musst sie fühlen.

Das ist ein bewusster Akt. Eine bewusste Entscheidung. Und diese Entscheidung musst du nicht nur einmal treffen. Du musst sie immer wieder treffen.

Denn diese Scham, die Wut, die Verzweiflung, die Angst – sie kommen immer wieder. Sie kommen in Wellen.

Zuerst als die grosse Welle, die dich umhaut. Dann ebben sie ab. Aber sie kommen wieder. Wenn du denkst: Jetzt bin ich über den Berg, dann kommt noch einmal eine Welle.

Es geht darum, eine konstante, andauernde Aufmerksamkeit zu halten. Auf dich, dein Körper, deine Gefühle. Damit die Wellen dich nicht in einem unachtsamen Moment mitreissen. Damit du nicht untergehst – in der Scham, in der Wut, in der Verzweiflung, in all diesen schweren Gefühlen.

  • Sei achtsam
  • Beobachte die Wellen
  • Atme

Und dann beobachte, wie die Wellen kleiner werden und verebben, bis das Meer der Gefühle wieder ganz still wird.

Was du brauchst ist Wissen, wie dieser Transformationsprozess funktioniert, und Bewusstsein, um die Wellen zu surfen.

Akzeptanz ist keine Schwäche

Du kannst versuchen, mit dem Verstand dagegen anzukämpfen.

Du willst es. Du sagst, du hast es verdient. Du sagst, es ist ungerecht. Das hätte nicht geschehen dürfen! Du rechtfertigst und du beschuldigst.

Die einzige Person, die davon Schaden nimmt, bist du. Die anderen kriegen meist gar nichts von deinem Ärger, deiner Wut, deiner Scham mit. Doch du „verunreinigst“ dich mit all diesen negativen Gedanken, und produzierst dadurch noch mehr negative Gefühle.

Das Einzige, was wirklich hilft, ist die Akzeptanz. 100%.

Du musst die Situation so akzeptieren, als hättest du sie selbst gewählt. Als hättest du selbst entschieden, dass die Dinge genau so sind, wie sie jetzt sind. Du musst vollständig dahinter stehen. Dich committen. Dich ganz in die Situation begeben. Und sagen:

Ich willige ein.

Das ist eine starke Entscheidung.

Wir sind es gewohnt zu kämpfen. Noch mehr zu leisten. Noch mehr zu machen. Der innere Kritiker ruft: Du hast zu wenig gemacht. Du hast dich zu wenig angestrengt. Du bist nicht gut genug. Nicht klug genug.

Steig von diesem toten Pferd ab.

Denn wenn dein ganzer Körper, deine Zellen, dein Nervensystem nicht mehr im Widerstand sind – wenn sie aufhören, gegen Windmühlen zu kämpfen – dann kehrt Ruhe ein. Und erst in dieser Ruhe, in dieser Akzeptanz, glätten sich die Wellen. Wird die See wieder still.

Und erst aus dieser Stille heraus kannst du neue, kluge, liebevolle Entscheidungen treffen. Neue Schritte planen. Dich neu ausrichten. Nur in dieser Stille kann der Schmerz beginnen zu heilen.

Du brauchst kein Warum – du brauchst Präsenz

Unser Verstand will erklären. Will rechtfertigen. Er argumentiert. Er fragt: Warum passiert mir das? Warum schon wieder?

Aber es gibt keine Erklärung. Und du brauchst keine Erklärung, um im Frieden zu sein.

Du brauchst nur eins: Präsenz im Hier und Jetzt.

Was geschehen ist, ist geschehen. Du kämpfst gegen etwas, das bereits Vergangenheit ist. Die Vergangenheit kannst du nicht ändern. Aber du kannst entscheiden, wie du dein Jetzt gestaltest.

Im Jetzt ist Frieden. Keine Gedanken. Keine Rechtfertigungen. Keine Analysen. Kein Widerstand. Keine Angst. Das passiert alles im Kopf. Das sind Gedanken. Nur Gedanken.

Es braucht deine Präsenz. Deine uneingeschränkte Präsenz im Moment. Wo du sagst: Ja, das ist geschehen. Es ist vorbei. Ich bin jetzt.

Mach es wie die Buddhisten

Die beste Empfehlung ist natürlich, dass wir es gar nicht erst so weit kommen lassen. Dass wir weder anhaften noch vermeiden, weder vergleichen noch bewerten, weder hoffen noch erwarten. Dass wir gleichmütig sind, in jedem Augenblick, damit uns nichts aus den Socken haut.

Nun, leider sind weder du noch ich ein Buddhistischer Mönch und können diesen Gleichmut in stundenlanger Meditation trainieren. Das müssen wir auch nicht.

Aber wir können uns akzeptieren als Mensch mit Bedürfnissen und Gefühlen. Wir können lernen, unsere Gedanken zu kontrollieren und unsere Gefühle zu fühlen.

Das Leben ist nicht dazu da, uns glücklich zu machen, sondern bewusst. Und das können wir jeden Tag ein bisschen üben.

Eine Meditation, um die Scham aufzulösen

Hole die belastende Situation ins Gedächtnis. Lass die Gefühle und Körperempfindungen aufkommen. Nur kurz, 1 Minute, damit ist sie ausreichend aktiviert.

Lies diese Zeilen langsam, leise oder laut für dich:

  • Wenn ich der Scham in die Augen schaue und sie fühle
  • wenn die Hitzewallungen durch meinen Körper strömen
  • und ich im Erdboden versinken möchte,
  • weil ich mich so sehr schäme

ATME.

  • In diesem Präsent-Sein und Bewusst-Sein,
  • im Fühlen dieser Scham,
  • kommt sie zum Ausdruck und kann erfahren werden.

ATME.

  • Meine Zellen öffnen sich.
  • Und die festgehaltene Scham,
  • die alte, über Jahre und Leben, die kollektive Scham,
  • sie kommt ins Fliessen.

ATME.

  • All das, was nie gesagt wurde aus Scham,
  • all das, was weggepackt wurde, nicht sichtbar war,
  • die Zellen öffnen sich.
  • Das Festgehaltene kommt ins Fließen.
  • Es kommt ans Licht.
  • Und das Licht transformiert.

ATME.

Bleibe bei diesem Prozess. Beobachte. Nimm all die Gefühle wahr in deinem Körper. Beobachte, wie die Hitzewallungen, wie der Kloss im Hals, wie der Druck auf der Brust sich verändern.

Sei Zeuge dieses Transformationsprozesses.

Meditation, um die Scham aufzulösen

Wiederhole diese kleine Meditation bei Bedarf. Lass dir Zeit. Es ist ein Prozess. Spüre jedes Mal den kleinen Unterschied. Du brauchst nichts zu erzwingen.

Alles geht vorüber.

Dir gefällt, was du liest?

Mehr davon gibt es in meinem Mindset Monday Newsletter! In der Regel wöchentlich, während dem dänischen Sommer alle 2-3 Wochen 😎.

Inspirationen zu den Themen:

  • Job & Karriere
  • Mindset, mentale Fitness
  • Veränderung und Neustart in der Lebensmitte
  • Persönlichkeit enwickeln


Entdecke mehr von Sandra Simon Henriksen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Veröffentlicht am

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.